Das eigentliche Highlight von Borneo sind nicht die Städte, sondern viel mehr die Naturparks und Dschungel. Deswegen haben wir uns auch dazu entscheiden weiter gen Nord-Osten der Insel zu reisen. Genauer gesagt nach Sepilok. Dort befindet sich eins der bekannten Rehabilitationszentren für Orang-Utans. In diesen Zentren werden verletzte, oder nicht selbständig überlebensfähige Tiere „aufgezogen“ und an das Leben in freier Wildbahn gewöhnt. Die Tiere sind zudem nicht in einem Gehege, sondern können sich stets frei bewegen und somit gibt es auch keine Garantie die Orang-Utans zu Gesicht bekommen.


Sepilok ist direkt an dem angrenzenden geschützten Regenwald gelegen und bietet somit einen großen natürlichen Lebensraum für die Tiere. Neben dem Rehabilitationszentrum für die Orang-Utans gibt es auch noch ein Rainforest Discovery Center, indem man den Regenwald erkunden kann. Es ist kein Wunder, dass sich einige Resorts in direkter Umgebung der Zentren angesiedelt haben. Wir selbst haben im Sepilok Jungle Resort genächtigt und konnten somit fußläufig die Gegend erkunden. Die Nähe zum Dschungel zieht auch viele Hobbyfotografen an. Diese wollen natürlich die Orang-Utans selbst oder auch seltene Vögel wie den Nashornvogel oder auch Kolibris vor die Linse bekommen. Dies dann teilweise auch mit Objektiven, die über einen Meter lang sind, während sie selbst natürlich im Camouflage-Outfit erscheinen 😀 Da wird also nichts mehr dem Zufall überlassen. Wir selbst waren natürlich vor allem wegen der Affen hier und werden es in unserem Leben wohl auch nicht mehr über den „Hobby-Vogelkundler“ Status heraus schaffen.




Orang-Utan Rehabilitations Center
Direkt nach dem Frühstück im Resort machten wir uns zu Fuß auf den Weg zu dem 5 Minuten entfernt gelegenen Center. Dort ist pro Person ein Eintritt von umgerechnet 6 Euro zu entrichten, um Zutritt zu bekommen. Besuchern ist es nur gestattet sich auf den eigens dafür errichteten Wegen aufzuhalten. Somit wird im Interesse der Tiere sichergestellt, dass niemand in ihren Lebensraum eindringt. Kaum dort angekommen, konnten wir die ersten Affen beobachten, wie sie von Baum zu Baum klettern und schwingen. Dabei handelte es sich aber noch nicht um die Orang-Utans, sondern um die kleineren Artgenossen – zum Beispiel die weitverbreiteten Makaken.
In dem Center hatten wir die Möglichkeit, an einer der zwei täglich stattfindenden Plattform-Fütterungen teilzunehmen. Dabei wird speziell den Orang-Utans auf einer Plattform Futter (verschiedene Früchte und Gemüse) bereitgestellt. Dabei wird immer das Gleiche gefüttert, um den Tieren keine „besonderen“ Mahlzeiten zu ermöglichen. Somit bleibt das Futterinteresse primär im Dschungel selbst. Es gibt natürlich auch keine Garantie, dass wirklich die Orang-Utans zum Futter kommen, nicht selten bleibt die Plattform auch lange unberührt. Wir hatten aber Glück und neben einem flinken Makaken-Affen beanspruchte dann ein ausgewachsenes Weibchen und Männchen die Plattform und das Futter für sich. Während wir die beeindruckenden Orang-Utans beobachtet haben, sind uns immer wieder erstaunlich viele menschliche Charaktereigenschaften an ihnen aufgefallen. Vor allem bei dem entspannt in den Seilen hängen, wie auf dem letzten Bild zu erkennen ist, sehe ich viele Parallelen. 😉 Es war eine schöne Erfahrung, auch wenn es sich ein klein wenig nach Zoo angefühlt hat.







Für das Wohl der Tiere sorgen neben vielen „Locals“ auch verschiedene Volunteers und Forscher aus der ganzen Welt. Ist sicherlich auch eine Erfahrung in solch einem Zentrum für eine gewisse Zeit zu unterstützen.
Wir haben stets das Gefühl gehabt, dass es wie beworben um die Rehabilitation der Tiere geht und es nicht nur zu touristischen Zwecken existiert. Wir können einen Abstecher zu den Orang-Utans auf jeden Fall empfehlen.
Rainforest Discovery Center
Das Rainforest Discovery Center haben wir direkt im Anschluss um die Mittagszeit besucht. Zu Fuß haben wir für die knapp 2 Kilometer gut 20 Minuten benötigt. Für die umgerechnet 4 Euro Eintritt pro Nase, kann man hier den Dschungel und seine Tiere selbst erkunden. Obwohl wir schon „besondere“ Erfahrungen mit dem Dschungel im Taman Negara Nationalpark machen konnten, haben wir uns darauf eingelassen. Der Fokus lag dieses Mal zum Glück nicht auf 5 Stunden wandern, sondern auf dem Entdecken und Beobachten im ganz eigenen Tempo. Für eine besondere Perspektive sorgt dafür der 363 Meter lange Canope Walk mit seinen Aussichtsplattformen, durch den man alles auf Baumgipfelhöhe erkunden kann. Wir haben neben einigen Vögeln (die wir natürlich nicht eindeutig identifizieren konnten) vor allem viele Borneo-Hörnchen gehört und auch gesehen. Diese sind mit bis zu 40 cm Länge deutlich größer und auch Lauter als die europäischen Artgenossen. (siehe Video)
Wir haben von einigen Besuchern aber auch gehört, dass die ein oder andere sehr gute Aufnahme vom berühmten Hornbill (dem Nashornvogel) gemacht werden konnte. Kleiner Spoiler: Wir haben diese dann erst an unserer nächsten Station der Reise gesehen.






Auch wenn beide Zentren sehr schön und auch naturnah aufgebaut sind, hat man dennoch ein wenig das „Zoo-Gefühl“ vor allem, da man ständig auf eigens errichteten Wegen läuft und natürlich auch allerhand weitere Touristen vor Ort sind. Trotzdem war es eine schöne Erfahrung und wir können einen kurzen Zwischenstopp in Sepilok auf jeden Fall empfehlen. Wir haben aber noch die Hoffnung den Tieren in „freierer“ Wildbahn zu begegnen, da wir in den kommenden 3 Tagen eine kleine Boots-Tour gebucht haben auf dem Fluss Kinabatangan mitten in Borneos Dschungel. Ihr werdet in den nächsten Tagen von dem Bericht lesen können. 🙂
Viele Grüße an alle Freunde und Freundesfreunde!
Euer Tim und Eure Alina