Zum Ende des letzten Jahres habe ich mich mit Alina dazu entschlossen im Jahr 2023 eine Woche zu fasten. Doch wie geht man dies am besten an? Zu Hause? Dies stellte auf jeden Fall eine Option für uns dar. Letztendlich haben wir uns aber dagegen entschieden. Wir beiden haben noch keine Erfahrungen mit mehrtägigem Fasten und haben vermutlich berechtigterweise Angst davor, den Versuchungen zu Hause nicht widerstehen zu können. Wir entschieden uns somit nach herzlicher Empfehlung dies im Thüringer Wald im Fastenhotel „Quelle“ zu tun. Diese Unterkunft bietet ausschließlich „Fastenurlaub“ in der Gruppe mit unterschiedlichen Aktivitäten an. Davon erhoffen wir uns neben weniger Versuchungen auch durch einen Zusammenhalt in der Gruppe mit gleichgesinnten das Fasten besser durchstehen zu können.

Gesagt – getan! Also sind wir am 12.02.2023 nach Tambach-Dietharz gefahren um von Montag bis Freitag nichts zu essen. Somit wird auch unser Valentinstag in diesem Jahr wohl der kalorienärmste aller Zeiten. Damit die Ernährungsumstellung nicht zu schwerfällt, haben Alina uns ich wie empfohlen sogenannte „Entlastungstage“ eingehalten. Hierbei gilt es ab 1 Woche vorher den Konsum von Kaffee, Alkohol, Zucker und Fleisch zu meiden. Zwei Tage vor dem Fasten sind Alina und ich auf eine vegane Ernährung umgestiegen, welche uns zum Frühstück ein Porridge und zum Mittag-/Abendessen viele Reisgerichte bescherte. Auch den Konsum von Gewürzen und vor allem Salz haben wir hier schon stark reduziert. Dadurch konnten wir unsere Organismen langsam auf die Umstellung vorbereiten und haben nicht von einem auf den anderen Tag einen kalten Entzug erlebt.
Am Samstag sind wir schließlich gegen 16 Uhr angekommen. Wir durften hier ein großes Doppelzimmer beziehen. Es ist recht einfach gehalten, aber wir haben hier alles, was wir benötigen. Um 17 Uhr haben wir die anderen Teilnehmer kennengelernt und wer hätte es gedacht – wir sind natürlich mit Abstand die Jüngsten hier (Ausgenommen Hündin Lilli , 3 Jahre – fastet aber nicht mit). Als Teilnehmer unter 30 Jahren könnte man uns hier als wahre Exoten betiteln. Unsere Gruppe besteht neben uns aus 14 weiteren Fastenden, die übrigens durchweg schon Erfahrungen mit dem Fasten haben. Das Klischee, das vor allem Frauen um die 50 alleine fasten fahren, trifft auch auf unsere Gruppe zu. Auf die 13 Damen der Gruppe kommen also nur 3 Männer. Womöglich lösen wir über die Woche noch bei der ein oder andern Person Muttergefühle aus.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde haben wir die letzte Mahlzeit gemeinsam eingenommen. Wobei Mahlzeit hier vermutlich andere Bilder im Kopf erscheinen lässt als es in der Realität war. Es gab eine ungewürzte klare Gemüsebrühe, welche natürlich geschmacklich nicht der Brüller war. Aber somit wussten wir nun auch, was die nächsten Tage auf uns zukommt. Das Programm für die Woche haben wir ebenfalls bekommen. Jeder Tag hat dabei einen ähnlichen Ablauf. Heute am Montag stand 8:30 Uhr Pilates an, gefolgt von dem gemeinsamen Morgentee. Damit der Kreislauf beim Fasten in Schwung bleibt, sind wir heute 3 Stunden durch den Thüringer Wald gewandert. Dies hat tatsächlich erstaunlich gut, trotz der fehlenden Mahlzeit funktioniert.
Doch hier haben wir schon auf dem Rückweg gemerkt, dass sich die Gespräche erstaunlich oft um Essen drehen. Mit dem leeren Magen kam bei Alina ziemlich Appetit auf Gulasch mit Knödeln auf und ich habe mich nach einer Lasagne gesehnt. Wir sind aber standhaft geblieben und es gab nach der Ankunft nur einen dünnen frisch gepressten Gemüsesaft. Nachmittags hatten Alina und ich noch einen entspannten Saunagang mit weiteren Essensideen für die Zeit nach dem Fasten. Somit reihen sich Schnitzel mit Kartoffelpüree, ein großer Burger mit Pommes und ein frisches Fischbrötchen in unsere Liste des Begehrens ein. Das anstehende Abendbrot konnte unseren Appetit leider nicht wirklich erfüllen. Es gab wieder eine klare Gemüsebrühe, wobei heute der Spitzkohl für andere „Geschmackserlebnisse“ sorgte.
Nach dem „Abendbrot“ haben wir noch die wunderbare Prozedur eines Einlaufes kennengelernt. Auch dieser gehört nun mal zum Fasten dazu. Zum Ende des ersten Fastentags ist also das Essen-Kopfkino sehr präsent und das Hungergefühl allgegenwärtig. Danke an der Stelle auch an meine ehemaligen Kollegen, die mich täglich mit den besten Bildern aus der reichhaltigen Porsche-Kantine versorgen. Alina und ich werden aber weiterhin standhaft bleiben und lassen den heutigen Tag nun noch mit einem Fußbad ausklingen.
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